
Wie Forschung dem Haischutz nützt

Haiforschung macht Schutz wirksam: Sie zeigt, wo Haie bedroht sind – und wie wir sie gezielt schützen können.
Was dich erwartet:
- Warum Haiforschung Haischutz unterstützt
- Haischutz und Haiforschung bei SHARKVOICE
- Haiforschung ist Haischutz
Warum Haiforschung Haischutz ermöglicht – und oft erst wirksam macht
Haie gehören zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren im Meer. Gleichzeitig sind sie schwer zu schützen, weil viele Arten weit wandern, langsam wachsen und in Daten und Management oft „unsichtbar“ bleiben. Genau hier entscheidet Forschung über Erfolg oder Misserfolg: Ohne belastbare Daten bleiben Schutzmaßnahmen entweder zu schwach, am falschen Ort – oder sie treffen die falschen Hebel. Forschung ist nicht „nice to have“, sondern häufig die Voraussetzung, um aus guten Absichten wirksame Politik, Management und Technologien zu machen.
Haischutz und Haiforschung bei SHARKVOICE: 2 Beispiele unserer Arbeit
Wir bei SHARKVOICE unterstützen Haischutz dort, wo er gebraucht wird – und wir glauben: Ohne Forschung bleibt Schutz oft blind. Deshalb fördern wir Partner und Formate, die Wissen in Wirkung übersetzen.
Beispiel 1: Unsere Kooperation mit SCAR – Forschung & Schutz dort, wo Haie unter Druck stehen
Mit SCAR (Shark Conservation and Research Trust) arbeiten wir mit einem Partner, dessen Kernauftrag genau diese Brücke ist: SCAR mobilisiert und vergibt Funding für Projekte, Initiativen und Organisationen, die Haie schützen – mit Fokus auf Innovation, Forschung, Bildung und Outreach und mit dem Anspruch transparenter Mittelverwendung.
Warum das relevant ist: Forschung (z. B. zu Habitatnutzung, Bestandsdaten, Risikotreibern) entscheidet, welche Maßnahmen priorisiert werden – und Innovation entscheidet, ob wir neue Lösungen schneller in die Praxis bringen. SCAR bündelt beides in einem Förderansatz.
Beispiel 2: Unser „Evidence‑First“-Prinzip bei Projektauswahl
Wir priorisieren Projekte, die empirisch zeigen, dass sie Mortalität senken – etwa durch getestete Beifang‑Mitigation oder wirksame Management‑Nachschärfung. Der Grund ist simpel: Die Datenlage zeigt, dass Beifang ein zentraler Treiber ist und dass es zwar Werkzeuge gibt, aber ihre Wirksamkeit lokal geprüft und umgesetzt werden muss. Genau diese Logik leitet unsere Unterstützung: Wirkung vor Image.

© Alec Drogosz
1) Forschung macht sichtbar, wo Schutz wirkt: Bewegungen, Hotspots, Schutzlücken
Viele Haiarten sind hochmobil. Sie nutzen Küstenhabitate, Offshore‑Zonen und die Hochsee – oft je nach Lebensphase unterschiedlich. Um Haie effektiv zu schützen, müssen wir wissen: Wo sind Fortpflanzungsgebiete? Wo liegen Kinderstuben? Welche Wanderkorridore werden genutzt – und wann? Genau das liefern moderne Methoden wie Satelliten- und Akustik‑Telemetrie: Sie zeigen Bewegungsmuster über große Distanzen (Satellit) und feinskalige Nutzung einzelner Lebensräume (Akustik).
Warum das entscheidend ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Schutzgebietsplanung: Eine Tagging‑Studie zu Seidenhaien im Galápagos‑Kontext fand, dass selbst große Schutzgebiete (MPAs) nur begrenzt schützen, wenn die Tiere einen großen Teil ihrer Zeit außerhalb verbringen. Das Ergebnis ist ein klarer Handlungsauftrag: Schutzgebiete müssen so gestaltet werden, dass sie Tierbewegungen berücksichtigen – und sie brauchen flankierende Maßnahmen außerhalb ihrer Grenzen (Fischereimanagement, Korridore, Durchsetzung).
Was das für Haischutz bedeutet: Forschung verschiebt Naturschutz von „gut gemeint“ zu „zielgenau“ – und reduziert die Gefahr, dass wir Ressourcen in Maßnahmen stecken, die Arten in der Praxis kaum erreichen.
2) Forschung prüft, ob Schutz wirklich ankommt: Evaluation statt Etikett
„Shark Sanctuaries“ und großflächige Schutzregime klingen nach einer klaren Lösung. Aber: Ein Schutzlabel allein senkt Mortalität nicht automatisch – vor allem nicht dort, wo Beifang oder Fishing Effort im Schutzgebiet weiter stattfinden. Forschung macht messbar, ob und wie stark ein Managementrahmen tatsächlich Leben rettet.
So hat eine Analyse in "Science Advances" Longline‑Fischereiaktivität in mehreren „Shark Sanctuaries“ mit öffentlich zugänglichen Daten quantifiziert und daraus die potenzielle Hai‑Mortalität geschätzt. Ergebnis: In einigen Sanctuaries können trotz Schutzstatus relevante Mortalitäten auftreten – teils in Größenordnungen, die bei bestimmten Arten problematisch sein können. Genau solche Befunde sind Gold wert, weil sie zeigen, wo nachgeschärft werden muss: strengere Beifang‑Regeln, bessere Überwachung, klare Durchsetzung.
Was das für Haischutz bedeutet: Forschung ist das „Qualitätsmanagement“ des Naturschutzes. Sie trennt wirksame Maßnahmen von schönen Versprechen – und hilft, Schutz adaptiv zu verbessern.
3) Forschung rettet direkt Leben: Beifang-Minderung und bessere Fischerei‑Praxis
Der Tod vieler Haie passiert nicht im gezielten Hai‑Fang, sondern als Beifang in industriellen Fischereien. Wenn wir hier ansetzen, sprechen wir über einen der größten Hebel für effektiven Haischutz – aber eben nur, wenn Maßnahmen empirisch getestet sind.
Ein sehr aktuelles, Open‑Access‑Review (Januar 2026) kommt zu einem klaren Befund: Es gibt keine einzelne Wunderlösung, aber eine Reihe technischer Maßnahmen, die entlang der Fang‑Kette wirken können – vom Vermeiden des Fangs über Fluchtmöglichkeiten bis hin zum Senken von (Post‑Release‑)Mortalität. Gleichzeitig zeigt die Arbeit auch: Viele Maßnahmen sind noch zu wenig untersucht oder werden in der Praxis nicht übernommen, wenn sie Zielartenfang senken oder Investitionen erfordern. Genau deshalb braucht es Forschung unter lokalen Bedingungen.
Ein konkreter Mechanismus: Haken‑Design. Eine quantitative Review‑Arbeit zu Circle Hooks vs. J‑Hooks fand in der Gesamtschau Hinweise, dass Circle Hooks die Mortalität am Boot reduzieren können. Gleichzeitig zeigen mehrjährige Feldstudien, dass Effekte art- und fischereispezifisch sind und sich Fangraten verschieben können – teils mit unerwünschten Nebeneffekten. Genau hier zeigt sich der Wert von Forschung: Sie macht trade‑offs sichtbar, bevor Maßnahmen breit ausgerollt werden.
Was das für Haischutz bedeutet: Forschung ist nicht nur Diagnose – sie liefert konkrete Stellschrauben, die Mortalität senken können, ohne ganze Meeresräume pauschal zu schließen (oder ohne neue Probleme zu erzeugen).
4) Forschung ermöglicht Koexistenz: Nicht‑letale Schutztechnologien statt Culls
Wo Menschen und Haie räumlich konkurrieren (Bade‑ und Surfspots), drohen oft harte Maßnahmen wie Netze, Drumlines oder Abschüsse – mit massiver Kollateralwirkung auf Haie und andere Arten. Forschung kann hier Alternativen entwickeln, die Sicherheit und Naturschutz zusammendenken.
Ein Beispiel aus der Forschung zu nicht‑letaler Gefahrenminderung ist die Entwicklung von Barrieren, die auf Sinnesbiologie und Verhalten von Haien basieren (visuelle Reize, magnetische/elektrische Effekte). Ein Nature‑Bericht beschreibt die SharkSafe‑Barrier‑Entwicklung und verweist auf Feldtests, bei denen große Haie den Bereich mieden – gleichzeitig wird deutlich: Wirksamkeit muss realitätsnah geprüft werden, weil Skalierung und Artunterschiede entscheidend sind.
Dass diese Prüfung nötig ist, zeigt eine Untersuchung zu großskaliger Ufer‑Installation bei Bullenhaien: Ein Teil der Tiere durchdrang die Barriere wiederholt, was klare Implikationen für Design, Standortwahl und Erwartungen an die Technologie hat. Forschung schützt uns hier vor Übervereinfachung – und macht Verbesserung möglich.
Was das für Haischutz bedeutet: Forschung schafft die Grundlage für Lösungen, die Konflikte entschärfen – und damit politische Rückschläge unwahrscheinlicher machen.

© Matt Curnock
Haiforschung ist Haischutz – weil sie Entscheidungen, Maßnahmen und Innovation ermöglicht
Wenn wir Haie schützen wollen, müssen wir zwei Dinge gleichzeitig tun:
- Wissen schaffen (Bewegungen, Bestände, Risiken, Wirksamkeit)
- Wissen in Maßnahmen übersetzen (Management, Technik, Bildung, Finanzierung)
Forschung liefert die Landkarte. Schutz ist der Weg. Und beides gehört zusammen.
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