
Neue Hoffnung: Haie besser vor Beifang schützen

Neues Forschungsergebnis stärkt Schutz von Haien in der Langleinen‑Fischerei
Was dich erwartet:
- Innovation aus der Meeresforschung
- Globaler Artenschutz
- Nachhaltigkeit in der kommerziellen Fischerei
Neues Hai‑Abwehrsystem könnte die Langleinenfischerei revolutionieren
Hoffnung für Haie, Thunfischfischerei und Ozeane
Eine neue Entwicklung aus der Meeresforschung sorgt für Aufsehen: Ein innovatives Hai‑Abwehrsystem könnte die Langleinenfischerei auf Thunfisch und Schwertfisch grundlegend verändern – und gleichzeitig bedrohte Hai-Arten besser schützen.
Die Technologie wurde speziell dafür entwickelt, Haie von beköderten Haken fernzuhalten. Dadurch sinkt der tödliche Beifang deutlich, was nicht nur den Schutz gefährdeter Arten stärkt, sondern auch die Gesundheit ganzer Meeresökosysteme unterstützt.
Kurzfakten Langleinenfischerei
Hauptzielarten:
Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt und andere große Raubfische.
Zentrales Problem:
Hoher Beifang – darunter viele Haie, Meeresschildkröten, Seevögel und Meeressäuger.
Dimensionen:
- – Leinen können bis zu 130 km lang sein
- – Bis zu 20.000+ Haken pro Einsatz
Folgen für Ökosysteme:
- – Rückgang von Spitzenprädatoren
- – Störung mariner Nahrungsnetze
- – Verlust biologischer Vielfalt

© Deutsche Stiftung Meeresschutz I Veröffentlicht am 14. Juli 2022 von Ulrich Karlowski
Was ist eine Langleine?
Definition, Einsatz und ökologische Herausforderungen
Grundprinzip: Eine der ältesten und weitverbreitetsten Fangmethoden
Eine Langleine ist ein passives Fanggerät in der kommerziellen Fischerei. Sie besteht aus einer bis zu 130 Kilometer langen Hauptleine, an der tausende beköderte Seitenarme befestigt sind – in der industriellen Hochseefischerei können es bis zu 20.000 Haken sein.
Je nach Zielart wird die Langleine entweder:
- am Meeresboden (demersal) oder
- frei in der Wassersäule (pelagisch) ausgebracht.
Sie sind eine der Hauptmethoden in der kommerziellen Fischerei, um Fische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Heilbutt zu fangen. Als Köder werden Makrelen oder Tintenfische verwendet. Aus Südamerika, zum Beispiel Peru, ist bekannt, dass auch Delfinfleisch als Köder in der Hai-Langleinenfischerei verwendet wird.
Es gibt keine exakte, weltweite Zahl, die ausschließlich angibt, wie viele Haie jedes Jahr nur durch Langleinenfischerei sterben, weil die Erhebungen global extrem lückenhaft sind und viele Fangstatistiken nicht zwischen Fangmethoden unterscheiden, aber wissenschaftliche Schätzungen geben einen Eindruck:
Globale Tötungszahlen von Haien
Insgesamt werden schätzungsweise zwischen etwa 63 und über 130 Millionen Haie jährlich durch Fischerei getötet (einschließlich gezieltem Fang und Beifang).
Beifang durch Langleinenfischerei
Langleinen (longline) sind eine der größten Ursachen für unbeabsichtigte Haifänge weltweit – besonders in Hochsee-Fischereien für Thunfisch oder Schwertfisch.
Konkrete Beispiele aus dem Pazifik zeigen:
Im West- und Zentralpazifik wurden allein 2023 rund 438.500 Blauhaie als Beifang in industrieller Langleinenfischerei erfasst – die höchste Zahl in dieser Region seit mindestens drei Jahrzehnten.

© AdobeStock - Langleine Tigerhai I Galeocerdo Cuviermarkt
Endlich: Eine Innovation für den Einsatz in der Langleinenfischerei
Das neuartige Verfahren könnte die kommerzielle Langleinenfischerei revolutionieren und weltweit Millionen von Haien vor dem ungewollten Tod bewahren. Wissenschaftler des Charles E. Schmidt College of Science an der Florida Atlantic University (FAU) haben eine Vorrichtung entwickelt, die Haie effektiv von Köderhaken fernhält, ohne die Fangquoten der Zielarten zu beeinträchtigen.
Elektrosensorik als Schlüssel
Das Problem des Beifangs stellt die Fischereiindustrie seit langem vor ökologische und ökonomische Herausforderungen. Haie, die versehentlich an die Haken gehen, beschädigen oft die Ausrüstung und dezimieren bedrohte Bestände. Die neue Lösung setzt auf einfache physikalische Prinzipien: Eine Kombination aus Graphit und Zink wird direkt in der Nähe des Hakens angebracht.

© unbekannt
Durch die Wechselwirkung dieser beiden Materialien im Meerwasser entsteht ein schwaches elektrisches Feld. Während Zielspezies wie Thunfisch und Schwertfisch diese Ladung nicht wahrnehmen, reagieren Haie aufgrund ihrer hochempfindlichen Sinnesorgane (Lorenzinische Ampullen) extrem sensibel darauf. Der elektrische Reiz wirkt abschreckend und veranlasst die Haie, abzudrehen.
Praxistaugliche und günstige Lösung
Stephen Kajiura, Professor am Fachbereich Biowissenschaften der FAU und leitender Entwickler, sieht in der Praktikabilität den größten Vorteil des Systems, denn Haie besitzen die unglaubliche Fähigkeit, selbst kleinste elektrische Felder wahrzunehmen. Die Tests belegen, dass dieser Ansatz Haie fernhält, während wichtige Zielarten völlig unbeeinträchtigt bleiben.
Besonders entscheidend für die Akzeptanz in der Industrie ist die Wirtschaftlichkeit. Zink wird in der Schifffahrt bereits standardmäßig als Korrosionsschutz (Opferanode) verwendet und ist den Fischern vertraut. Die Materialien sind weltweit verfügbar und kostengünstig, was eine schnelle Implementierung ermöglicht.
Potenzial für den globalen Artenschutz
Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend. In Versuchen mit bodenlebenden Haien vor der Küste Floridas konnte der Beifang um 60 bis 70 Prozent reduziert werden. Zur Skalierbarkeit des Projekts ließe sich im Ansatz auf die pelagische Langleinenfischerei ausweiten, wo jährlich Millionen von Haien als Beifang enden. Sollten sich die Reduktionsraten im globalen Maßstab bestätigen, hätte die Zink-Graphit-Behandlung dramatische positive Auswirkungen auf die weltweiten Haipopulationen und würde gleichzeitig ein wenig die Nachhaltigkeit der kommerziellen Fischerei gewährleisten.
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Literatur- und Quellenhinweise
- Charles E. Schmidt College of Science an der Florida Atlantic University (FAU)
- https://www.fau.edu/newsdesk/articles/shark-repellent-hook.php
- https://www.elasmolab.com/_files/ugd/479e03_cd11990948304d9ca01291a5fe15fde9.pd
- Deutsche Stiftung Meeresschutz
- Langleinenfischerei – massive Überfischung der Ozeane
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