Regional Fisheries Management Organizations (RFMOs)

Können Gesetze Haie wirklich schützen?

von Marcus Burghardt

Haischutz durch Gesetze: RFMOs, CITES & mehr im Fokus

Was dich erwartet:

  • Grundlagen: Überfischung und ihre Ursachen
  • Rechtlicher Rahmen der Meeresfischerei
  • RFMOs und der Schutz von Haien
  • Wie wirksam sind RFMOs?
  • Maßnahmen gegen Überfischung und für Haischutz

Können Gesetze Haie wirklich schützen?

Haie sind Schlüsselarten in marinen Ökosystemen – doch Überfischung, Beifang und der Handel mit Haiprodukten setzen vielen Beständen massiv zu. Die zentrale Frage lautet: Können Gesetze Haie tatsächlich schützen, wenn sie über Ozeane hinweg wandern und sich nicht an Staatsgrenzen halten?

Um das zu beantworten, müssen wir drei Ebenen zusammendenken: den völkerrechtlichen Rahmen (z. B. UNCLOS), das praktische Fischereimanagement durch regionale Organisationen (RFMOs) und spezielle Instrumente des Artenschutzrechts. Erst im Zusammenspiel dieser Ebenen entsteht wirksamer Haischutz.

Überfischung: Ursachen und Folgen für Haie

Überfischung bedeutet, dass mehr Fische gefangen werden, als durch natürliche Reproduktion nachwachsen können. Für Haie ist das besonders kritisch, weil viele Arten spät geschlechtsreif werden, wenige Nachkommen haben und sich deshalb nur langsam erholen.

Zu den Hauptursachen der Überfischung gehören:

  • Überkapazität der weltweiten Fischereiflotten

  • Illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei (IUU)

  • Schwache Kontrollen und mangelnde Durchsetzung bestehender Gesetze

  • Datenlücken und die Nichtbeachtung wissenschaftlicher Empfehlungen

  • Schädliche Fischereisubventionen

  • „Fishing down the food web“ – das gezielte Abfischen immer niedrigerer Trophiestufen

Die Folgen reichen von kollabierenden Beständen über den Verlust von Biodiversität bis hin zu wirtschaftlichen Schäden für Küstengemeinden und gravierenden Eingriffen in die Nahrungsketten der Ozeane.

Rechtlicher Rahmen: Wie das Meer geregelt wird

Internationales Seerecht (UNCLOS)

Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS, 1982) bildet das Fundament der internationalen Meeres- und Fischereipolitik. Es:

  • verleiht Küstenstaaten Hoheitsrechte über die Ressourcen in ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) bis 200 Seemeilen
  • verpflichtet Staaten, lebende Ressourcen nachhaltig zu nutzen und zu erhalten
  • verlangt Kooperation bei Beständen, die mehrere Hoheitsgebiete oder die Hochsee betreffen

UN-Fischbestände-Abkommen (UNFSA, 1995)

Das UN-Fischbestände-Abkommen konkretisiert diese Pflichten insbesondere für weit wandernde und grenzüberschreitende Bestände. Es:

  • verankert das Vorsorgeprinzip im Fischereimanagement
  • stärkt Überwachungs-, Kontroll- und Inspektionsmechanismen
  • verpflichtet zu Datenaustausch und wissenschaftlicher Kooperation

FAO-Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei

Der FAO-Verhaltenskodex (1995) ist zwar rechtlich nicht bindend, aber weltweit anerkannt. Er fordert:

  • nachhaltige Fischerei- und Aquakulturpraktiken
  • die Minimierung ökologischer Auswirkungen, insbesondere Beifang
  • die Berücksichtigung sozialer und wirtschaftlicher Aspekte

Diese Instrumente schaffen den Rahmen, in dem sich konkrete Haischutz-Regelungen bewegen.

Aktuelle Erweiterung: Das BBNJ-Abkommen (2023/2026)

Das neue UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ), das im Januar 2026 offiziell in Kraft trat, ergänzt das Fischereimanagement durch die Möglichkeit, großflächige Meeresschutzgebiete (MPAs) auf hoher See einzurichten.
Seerechtsübereinkommen nach neunjährigen Verhandlungen verabschiedet; Konferenz ohne Konsens stimmt über 32-Artikel-Text ab

© https://isa.org.jm/unclos-at-40/

Was sind RFMOs und warum sind sie wichtig?

Regionale Fischereimanagementorganisationen (RFMOs) sind Zusammenschlüsse von Küstenstaaten und Fangnationen, die Fischbestände bewirtschaften, die sich über nationale Grenzen hinaus erstrecken oder in der Hochsee vorkommen. Sie sind unverzichtbar, weil Wanderarten wie Thunfisch oder viele Haiarten innerhalb kurzer Zeit mehrere Jurisdiktionen durchqueren.

Zu ihren Kernaufgaben gehören:

  • Festlegung von Fangquoten und anderen Nutzungsbeschränkungen
  • wissenschaftliche Bestandsbewertungen
  • Monitoring von Fängen und Beifängen
  • Maßnahmen gegen illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei

Bekannte Beispiele sind ICCAT (Atlantik), IOTC (Indischer Ozean) oder NAFO (Nordwestatlantik).

Zuständigkeitsbereiche der größten fünf regionalen Fischereiorganisationen

© FAO 2026, Regional Fishery Bodies Map Viewer, https://www.fao.org/fishery/geoserver/factsheets/rfbs.html, Stand 19.02.2026, eigene Darstellung | Weltkarte: Designed by Freepik, ©„leberus777“

RFMOs und Haischutz: Welche Regeln gibt es?

RFMOs spielen eine Schlüsselrolle im Haischutz, weil sie Fangregeln für Hochsee-Fischereien festlegen, in denen Haie häufig als Beifang auftreten oder gezielt befischt werden. In den letzten Jahren haben viele Organisationen ihre Maßnahmen für Haie deutlich ausgebaut.

Wichtige Haischutz-Instrumente der RFMOs sind:

Finning-Verbote

„Finning“ – das Abtrennen der Flossen und das Zurückwerfen des Körpers – ist in den meisten RFMOs verboten. Haie dürfen dort nur mit natürlich am Körper befestigten Flossen angelandet werden. Das reduziert den Anreiz, Haie nur wegen der Flossen zu fangen.

Fang- und Retentionsverbote

Für besonders gefährdete Arten wie den Weißspitzen-Hochseehai sowie bestimmte Hammer- und Fuchshaiarten gelten in einigen RFMOs strikte Fang- und Retentionsverbote. Diese Arten dürfen weder gezielt befischt noch als Beifang behalten werden und müssen lebend zurückgesetzt werden, sofern möglich.

Safe-Release-Praktiken

RFMOs geben zunehmend detaillierte Anweisungen für einen schonenden Umgang mit Haien vor. Dazu gehören:

  • spezielle Werkzeuge zum gefahrlosen Entfernen von Haken
  • Vorgaben, Haie möglichst im Wasser zu lösen
  • Schulung der Besatzungen im tierschonenden Handling

Ziel ist es, die Überlebensrate unbeabsichtigt gefangener Haie zu erhöhen.

Technische Maßnahmen in der Fischerei

Technische Maßnahmen sollen Haifänge von vornherein reduzieren, z. B.:

  • Verbote von Drahtvorfächern, die Haien die Flucht erschweren
  • Anpassung von Hakenformen, Ködern und Leinen, um Beifang zu minimieren
  • räumlich-zeitliche Schließungen von Hotspots mit hohem Haibeifang

Wie wirksam sind RFMOs beim Schutz von Haien?

RFMOs sind für die Regulierung der Hochseefischerei unverzichtbar und haben tatsächlich zu mehr Schutz für Haie beigetragen – etwa durch Finning-Verbote und Arten-spezifische Fangverbote. Dennoch stoßen sie an deutliche Grenzen.

Politische Blockaden und Interessenkonflikte

Entscheidungen werden in der Regel im Konsens oder mit qualifizierter Mehrheit getroffen. Staaten mit starken Fischereiinteressen blockieren häufig ambitionierte Schutzmaßnahmen, um kurzfristige wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden.

Schwache Umsetzung und Kontrolle

Selbst gute Regeln bleiben wirkungslos, wenn sie:

  • national nur halbherzig in Recht umgesetzt werden
  • unzureichend kontrolliert werden (fehlende Beobachter, schwache Sanktionen)
  • durch IUU-Fischerei umgangen werden

Langsame Reaktion auf wissenschaftliche Warnungen

Zwischen wissenschaftlichen Warnungen und konkreten Managementmaßnahmen können Jahre vergehen. In dieser Zeit können empfindliche Hai-Bestände weiter zurückgehen.

Fazit zur Wirksamkeit

Ohne RFMOs wäre die Hochseefischerei weitgehend unreguliert, und die Lage für Haie wäre deutlich schlechter. RFMOs allein reichen aber nicht aus: Sie müssen:

  • ambitioniertere Schutzmaßnahmen beschließen
  • enger mit Artenschutzabkommen wie CITES kooperieren
  • konsequent kontrolliert und durchgesetzt werden

Maßnahmen gegen Überfischung und für mehr Haischutz

Gesetze können Haie schützen, wenn sie konkrete Instrumente festschreiben und deren Umsetzung ernst genommen wird. Wichtige Bausteine sind:

  • Wissenschaftsbasierte Fangquoten und Schließzeiten
  • Meeresschutzgebiete (MPAs), in denen Haie und ihre Beutetiere sich erholen können
  • Förderung zertifiziert nachhaltiger Fischerei, inklusive strenger Beifangregeln
  • Ausbau von Monitoring, Kontrolle und Überwachung (MCS)
  • Stärkere internationale Kooperation zwischen RFMOs und CITES
  • Bewusste Konsumentscheidungen hin zu nachhaltig gefangenen Meeresprodukten

Ein wirksamer Haischutz entsteht also dort, wo völkerrechtliche Vorgaben, regionale Fischereiregeln und nationale Durchsetzung ineinandergreifen – und wo Politik bereit ist, kurzfristige Interessen zugunsten langfristiger Meeresgesundheit zurückzustellen.

Literatur- und Quellenhinweise

  • FAO (2022): The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA)

  • UNCLOS (1982): United Nations Convention on the Law of the Sea

  • UN Fish Stocks Agreement (1995)

  • Offizielle Webseiten und Jahresberichte von ICCAT, NAFO, NEAFC

  • Informations- und Hintergrundmaterial von Umwelt- und Haischutzorganisationen (z. B. BfN/BMUV, Stiftung Meeresschutz, WWF Deutschland)

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