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Der Grönlandhai: Geburt, Jugend und Forschung

von Marcus Burghardt

Grönlandhai: Neue Erkenntnisse über seine Geburt und Jugend

Was dich erwartet:

  • Grönlandhai: Neue Erkenntnisse über seine Geburt und Jugend
  • Wo werden Grönlandhaie geboren?
  • Das Skagerrak als Kinderstube
  • Ein Leben voller Wanderungen
  • Warum diese Erkenntnisse wichtig sind

Grönlandhai: Neue Erkenntnisse über seine Geburt und Jugend

Der Grönlandhai (Somniosus microcephalus) gilt als eine der langlebigsten Wirbeltierarten der Erde und ist aufgrund seiner Biologie von großem wissenschaftlichem Interesse. Über seine Fortpflanzung und juvenile Phase existierten jedoch bislang nur Vermutungen. Neue Forschungsergebnisse der Universität Kopenhagen liefern nun erstmals belastbare Daten zu Geburtsgebieten, Entwicklungsphasen und ökologischen Anforderungen – Erkenntnisse, die für zukünftige Schutzstrategien entscheidend sind.

Grönlandhai

© Uli Kunz/DOCLIGHTS

Wo werden Grönlandhaie geboren?

Neue Analysen zeigen, dass Grönlandhaie nicht – wie lange vermutet – in den arktischen Küstengewässern rund um Grönland, Island oder Kanada zur Welt kommen. Eine internationale Forschungsgruppe wertete dafür mehr als 150 Jahre Fischereidaten aus und untersuchte historische Museumsexemplare. Das Ergebnis ist eindeutig: Neugeborene Grönlandhaie wurden ausschließlich am Mittelatlantischen Rücken sowie in der Irmingersee südwestlich von Island nachgewiesen. Diese Regionen scheinen die zentralen Geburtsgebiete der Art zu sein und liefern wichtige Hinweise auf ihre Fortpflanzungsbiologie und Schutzbedürfnisse.

Das Skagerrak als Kinderstube der Grönlandhaie

Nach der Geburt wandern junge Grönlandhaie Richtung europäisches Festland und halten sich bevorzugt im Skagerrak auf – dem Meeresgebiet zwischen Norwegen, Schweden und Dänemark. Dort leben die Jungtiere in mehreren hundert Metern Tiefe und nutzen das nährstoffreiche Tiefseegebiet offenbar als geschützten Entwicklungsraum. Erwachsene Grönlandhaie hingegen ziehen später in deutlich kältere, arktische Gewässer weiter, wo vor allem große Weibchen mit Längen von bis zu vier Metern vorkommen. Diese klare Trennung zwischen Kinderstube im Skagerrak und Lebensraum der adulten Tiere in der Arktis liefert wichtige Hinweise auf die ökologische Strategie der Art.

Ein Leben voller Wanderungen

Der Grönlandhai ist ein ausgeprägter Langstreckenschwimmer und legt im Laufe seines Lebens vermutlich enorme Distanzen im Nordatlantik zurück. Forschende um Peter Rask Møller von der Universität Kopenhagen gehen davon aus, dass die Tiere weite Teile des Ozeans durchqueren – von arktischen Regionen bis in tiefere, subarktische Gewässer. Um diese Wanderungen besser zu verstehen, markieren Wissenschaftler einzelne Haie mit modernen Tracking‑Systemen und verfolgen ihre Bewegungen über Monate oder sogar Jahre. Die Daten liefern wertvolle Hinweise darauf, wie flexibel Grönlandhaie auf Umweltbedingungen reagieren und welche Routen für ihren Schutz besonders wichtig sind.

Grönlandhai: Besuch aus dem hohen Norden - [GEO]

© dottedyeti / Adobe Stock

Warum diese Erkenntnisse wichtig sind

Die neuen Forschungsergebnisse sind ein entscheidender Schritt für den Schutz des Grönlandhais – einer der langlebigsten und zugleich am wenigsten erforschten Haiarten der Welt. Wer weiß, wo Grönlandhaie geboren werden, wie ihre Jugendgebiete aussehen und welche Wanderungen sie unternehmen, kann Schutzmaßnahmen gezielt dort ansetzen, wo sie den größten Effekt haben. Genau hier setzen internationale Forschungsprojekte an, die erstmals ein umfassenderes Bild des Lebenszyklus dieser Tiefseeart liefern.

Gleichzeitig warnen Umweltorganisationen wie Greenpeace vor der anhaltenden Bedrohung durch Beifang in der industriellen Fischerei. Da Grönlandhaie langsam wachsen und erst sehr spät geschlechtsreif werden, kann bereits ein geringer zusätzlicher Fangdruck gravierende Folgen für die Population haben. Globale Schutzmaßnahmen und strengere Regulierungen gelten daher als dringend notwendig.

Trotz aller Risiken bleibt der Grönlandhai eines der faszinierendsten Tiere der Ozeane. Die neuen Erkenntnisse über seine Geburts‑ und Jugendgebiete erweitern unser Wissen erheblich und zeigen, wie wichtig internationale Forschung und koordinierter Artenschutz für das Überleben dieser einzigartigen Art sind.

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