
Gemeinsam für den Schutz der Walhaie in Madagaskar

Zehn lokale Ambassadors untersuchen 2026 den Einfluss des Tourismus auf Walhaie vor Nosy Be.
Was dich erwartet:
- Wenn Tourismus zum Problem wird
- Ein Hotspot für Walhaie und für Tourismus
- Ein neues Schutzgebiet für eine besondere Meeresregion
- Zehn Menschen werden zu Ambassadors für den Meeresschutz
- Was passiert draußen auf dem Wasser?
- Wissenschaft, die direkt in Schutz übersetzt werden kann
- Warum lokale Ambassadors so wichtig sind
- SHARKVOICE unterstützt Ambassadors 2026
Wenn Tourismus zum Problem wird und Menschen vor Ort Teil der Lösung werden
Was passiert, wenn immer mehr Menschen mit wilden Tieren schwimmen möchten?
Auf den ersten Blick klingt das nach einer Erfolgsgeschichte: Walhaie ziehen vor der Küste von Nosy Be im Nordwesten Madagaskars durch das warme Wasser des Indischen Ozeans. Sie sind zu einem wichtigen Anziehungspunkt für den Tourismus geworden und gleichzeitig zu einem Symbol für die außergewöhnliche marine Artenvielfalt der Region.
Doch mit dem wachsenden Tourismus steigt auch der Druck auf die Tiere.
Genau hier setzt eine neue Kooperation von SHARKVOICE e.V. und dem Madagascar Whaleshark Project (MWSP) an: Mit dem Projekt „Community Ambassador Monitoring Project – Tourism Impact Assessment for Marine Megafauna Conservation“ soll 2026 erstmals systematisch untersucht werden, wie stark der Tourismus die Walhaie und andere Meerestiere beeinflusst.

©MWSP
Ein Hotspot für Walhaie und für Tourismus
Die Gewässer rund um Nosy Be gehören zu den bedeutenden Lebensräumen für Walhaie im westlichen Indischen Ozean. Das Madagascar Whaleshark Project untersucht die Tiere dort seit Jahren und hat seit 2015 bereits 546 Walhaie anhand von Foto-Identifikation erfasst.
Doch die aktuellen Entwicklungen geben Anlass zur Sorge.
Im Jahr 2025 konnten trotz intensiver Suche nur noch 39 unterschiedliche Walhaie identifiziert werden. Seit 2022 geht die Zahl der beobachteten Tiere zurück. Gleichzeitig nimmt der Tourismus in Nosy Be weiter zu.
Das Problem: Wir wissen noch nicht genau, warum die Walhaie weniger häufig beobachtet werden.
Möglicherweise verändern die Tiere ihre Lebensräume. Veränderungen bei ihrer Nahrung und den Umweltbedingungen könnten eine Rolle spielen. Auch die Fischerei ist ein möglicher Faktor.
Aber eine weitere Frage wird immer dringlicher:
Welchen Einfluss hat der wachsende Tourismus auf die Tiere?
Bisher fehlen dafür ausreichende systematische Daten.

©Google Maps
Ein neues Schutzgebiet für eine besondere Meeresregion
Im Nordwesten Madagaskars entsteht mit Tandavandriva ein rund 329.700 Hektar großer mariner Korridor, der zwei bestehende Meeresschutzgebiete miteinander verbindet.
Das Gebiet ist ein wichtiger Lebensraum für Walhaie, Meeressäuger, Meeresschildkröten und Rochen. Es steht inzwischen vorläufig unter Schutz und wurde außerdem als Key Biodiversity Area (KBA) anerkannt.
Die wissenschaftlichen Daten des Madagascar Whaleshark Project haben bereits dazu beigetragen, die Bedeutung dieser Region sichtbar zu machen. Akustische Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass Walhaie rund um Nosy Be nicht nur saisonal vorkommen, sondern sich dort das ganze Jahr über aufhalten können. Einige Tiere werden sogar nachts oder außerhalb der üblichen Beobachtungsgebiete registriert.
Damit stellt sich eine entscheidende Frage:
Wie können wir dieses Gebiet schützen, wenn wir nicht wissen, wie stark menschliche Aktivitäten die Tiere beeinflussen?

©MWSP
Zehn Menschen werden zu Ambassadors für den Meeresschutz
Genau hier beginnt das Projekt "Ambassadors 2026″.
Während der Hauptsaison von September bis Dezember 2026 werden zehn Menschen aus den lokalen Gemeinden rund um Nosy Be zu sogenannten Community Ambassadors ausgebildet.
Sie fahren gemeinsam mit touristischen Anbietern aufs Meer und beobachten, was dort tatsächlich passiert. Ausgerüstet mit Tablets oder Smartphones dokumentieren sie systematisch die Begegnungen zwischen Touristen, Booten und Meerestieren.
Dabei geht es nicht darum, den Tourismus grundsätzlich zu verhindern.
Im Gegenteil:
Tourismus kann ein wichtiger Teil des Schutzes sein, wenn er verantwortungsvoll stattfindet.
Dafür brauchen wir belastbare Daten.
Was passiert draußen auf dem Wasser?
Die Ambassadors erfassen unter anderem:
- Wo befinden sich die wichtigsten Gebiete für Walhaie und andere Meerestiere?
- Wie viele Boote sind gleichzeitig unterwegs?
- Wie intensiv werden einzelne Gebiete touristisch genutzt?
- Halten sich die Boote an die bestehenden Verhaltensregeln?
- Wie nah kommen Boote und Schwimmer an die Tiere heran?
- Verändern die Tiere ihr Verhalten?
- Werden Fressverhalten oder andere natürliche Verhaltensweisen gestört?
- Gibt es Verletzungen, beispielsweise durch Kollisionen oder Propeller?
- Wie verhalten sich die Menschen beim Schwimmen mit den Tieren?
So entsteht erstmals eine systematische Datengrundlage über den tatsächlichen Einfluss des Tourismus.

©MWSP
Wissenschaft, die direkt in Schutz übersetzt werden kann
Das Ziel ist nicht einfach, möglichst viele Daten zu sammeln.
Die Ergebnisse sollen dabei helfen, konkrete Schutzmaßnahmen für das neue Meeresschutzgebiet zu entwickeln.
Die Wildlife Conservation Society (WCS) hat die Daten für die Entwicklung des zukünftigen Managementplans von Tandavandriva angefordert. Bis Ende 2026 sollen deshalb belastbare Informationen vorliegen, auf deren Grundlage beispielsweise Mindestabstände zu den Tieren, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Tourismuskontrollen oder eine Lizenzierung von Anbietern umgesetzt werden können.
Damit kann aus Beobachtung ganz konkret Schutz werden.
Denn eine Regel ist nur dann sinnvoll, wenn wir wissen, welches Problem sie lösen soll.
Warum lokale Ambassadors so wichtig sind
Eine Besonderheit des Projekts ist, dass die Datenerhebung nicht ausschließlich durch externe Wissenschaftler erfolgt.
Die zehn Ambassadors kommen aus den Gemeinden rund um Nosy Be. Sie kennen die Region, die Menschen und die lokalen Strukturen. Sie sprechen unter anderem Sakalava und haben dadurch einen Zugang zu den Gemeinschaften, den externe Forschungsteams häufig nicht haben.
Das macht das Projekt zu mehr als einem Forschungsprogramm.
Es schafft lokale Kompetenz für den Meeresschutz.
Die Menschen vor Ort werden nicht nur Beobachter eines Naturschutzprojekts. Sie werden selbst zu Akteuren.
Und genau diese Fähigkeiten bleiben in Madagaskar, auch über das Projektjahr 2026 hinaus.

©scubanosybe
SHARKVOICE unterstützt Ambassadors 2026
SHARKVOICE unterstützt das Projekt gemeinsam mit dem Madagascar Whaleshark Project finanziell und ideell.
Für die konkrete Projektphase stellt SHARKVOICE für den Anfang 10.000 Euro zur Verfügung. Die Förderung fließt unter anderem in die Ausbildung und den Einsatz der Ambassadors, die Koordination, Datenerhebung und Ausrüstung sowie die GIS-Auswertung, die Aufbereitung der Ergebnisse und den Austausch mit relevanten Stakeholdern.
Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 20.000 Euro.
Um das Projekt zu stemmen, benötigen wir dazu noch deine Hilfe.
Für uns ist dabei entscheidend: Wir unterstützen nicht nur Forschung über Haie.
Wir unterstützen Menschen, die selbst zu einem Teil des Meeresschutzes werden.
Vom Walhai zur Schutzstrategie
Am Ende des Projekts sollen nicht nur Zahlen und Karten stehen.
Es soll ein besseres Verständnis dafür entstehen,
- wo die Tiere sind, wie sie sich verhalten,
- welchem touristischen Druck sie ausgesetzt sind
- und was getan werden kann, um Mensch und Tier besser miteinander in Einklang zu bringen.
Das Projekt soll damit die Grundlage schaffen für:
- bessere Regeln für den Walhai-Tourismus,
- eine effektivere Kontrolle der bestehenden Schutzvorgaben,
- einen besseren Schutz wichtiger Lebensräume,
- verantwortungsvollere touristische Anbieter,
- und langfristig eine stärkere Beteiligung lokaler Gemeinden am Meeresschutz.
Unterstütze Ambassadors 2026
Mit deiner Unterstützung können wir gemeinsam mit dem Madagascar Whaleshark Project dazu beitragen,
- Forschung zu ermöglichen,
- lokale Ambassadors auszubilden und
- aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Schutzmaßnahmen für die Walhaie und das gesamte marine Ökosystem Madagaskars zu entwickeln.
Denn:
Was wir verstehen, können wir schützen.
Und was wir gemeinsam schützen, kann auch morgen noch existieren.
Du hast Fragen?

Dann wende dich an Juliane von SHARKVOICE:
E-Mail schreibenGib Haien Hoffnung
Unterstütze uns mit deiner Spende dabei, Bildungsarbeit, Forschung und Schutzprojekte erfolgreich durchführen zu können.



